Einige häufig gestellte Fragen

? Wie ist der Weg, wenn ich ein Kind oder eine/n Jugendliche/n in meine Familie aufnehmen möchte, die ich schon kenne?
Wenn Sie ein Kind oder eine/n Jugendlichen aufnehmen möchten, den Sie schon kennen, dann müssten sie sich zunächst an das Jugendamt/RSD wenden. Zuständig ist das Jugendamt, wo die Herkunftsfamilie wohnt.
Dieses Jugendamt entscheidet dann, ob und welche Hilfe eingesetzt wird. Das kann befristete oder unbefristete Vollzeitpflege mit oder ohne Rückkehroption sein.
Wenn Sie die Voraussetzungen für Pflegeelternbewerber erfüllen und das Jugendamt eine Unterbringung bei Ihnen grundsätzlich befürwortet, erhält Pik einen Überprüfungsauftrag, wenn Sie in Friedrichshain-Kreuzberg oder Neukölln-Ost wohnen.
Eine reguläre Überprüfung oder eine nachträgliche Überprüfung beginnt.

? Was muss ich zum Finanziellen und Rechtlichen wissen?
Als Pflegeeltern haben Sie auf Antrag einen Anspruch auf Zuschuss zur Renten- und zur Unfallversicherung. Die Möglichkeit einer Haftpflichtversicherung für Pflegeeltern besteht über den Träger.
Auch haben Sie auf Antrag und unter Vorlage von Quittungen, die Sie beim Jugendamt (Regionalen Sozialpädagogischen Dienst) einreichen, einen Anspruch auf zusätzliche Leistungen wie z.B. eine Pauschale für Erstausstattung, eine Pauschale für ein Kinderfahrrad, einen Kinderwagen, Kinderautositz, Kinderfahrradsitz.
Die zuständige Fachkraft berät Sie gerne dazu und beantwortet Ihre Fragen.

? Wie geht das mit der Pflegeelternschule?
Am Ende des Überprüfungsprozesses nehmen wir die Anmeldung zur Pflegeelternschule der Sozialpädagogischen Fortbildungsstätte Berlin-Brandenburg in Berlin-Mitte vor.
Die Kurse beginnen jedes Jahr im Frühjahr und Herbst. Sie können am Donnerstag Vormittags-Kurs von 9.30 - 12.00 Uhr oder Dienstag Abends-Kurs von 18.30 - 21.00 Uhr teil nehmen. Jeder Kurs umfasst auch zwei Wochenendseminare.
Die Kurse enden mit einem Abschlusskolloquium und nach erfolgreicher Teilnahme mit einem Zertifikat. Die Inhalte sind der Broschüre AV-Pflege/Heft 1-04, Seite 39 zu entnehmen.
Sobald Ihre Teilnahme möglich ist, erhalten Sie schriftlich Nachricht von der Fortbildungsstätte.
Am Ende der Überprüfung teilen Sie uns mit, für welchen Kurs Sie angemeldet werden möchten.

? Was ist der Leitfaden AV Pflege zur Feststellung der Eignung und Auswahl von Erziehungspersonen?
Fachliche Standards zur Vollzeitpflege in Berlin: geben das inhaltliche Vorgehen in den Bereichen Überprüfung und Vorbereitung von Pflegeelternbewerber/-innen, Vermittlung sowie Beratung, Begleitung und Unterstützung von Pflegefamilien vor

? Was muss ich tun, wenn ich Pflegemutter, Pflegevater, Pflegeeltern werden will?
Wir freuen uns über alle Interessenten/-innen für die Aufnahme eines Pflegekindes. Vielleicht wollen Sie sich grundsätzlich über diesen Aufgabenbereich informieren oder Sie kennen schon Menschen, die Pflegeeltern sind und möchten diese Möglichkeit für sich prüfen oder Sie haben sich schon lange mit dem Gedanken beschäftigt, ein Pflegekind aufzunehmen, in Ihrer Familie und Ihrem Freundeskreis diskutiert und möchten jetzt einen Schritt weiter gehen:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich zu informieren. Bitte lesen Sie hier weiter

? Wie werde ich Pflegemutter /vater /-eltern?

1. Information
Zu Beginn bekommen Sie von uns allgemeine Informationen (im Informationsgespräch), um generell zu erfahren, welche Rahmenbedingungen es für die Aufnahme eines Pflegekindes gibt (siehe Pflegeeltern werden - wie geht das?)

2. Überprüfung und Vorbereitung
Danach melden Sie sich zur Überprüfung und Vorbereitung an. In diesem Prozess von ca. 8 Terminen prüfen Sie und wir, ob ein Leben mit Pflegekind(ern) für Sie in Frage kommt. In diesem Prozess reflektieren Sie Ihre Stärken und Schwächen und ob bzw. was für ein Kind zu Ihnen passen könnte. Sie werden durch viele Beispiele angeregt und auf die Zeit mit dem Pflegekind vorbereitet.
Am Ende des Überprüfungsprozesses steht die Eignungsprüfung durch das Jugendamt. (siehe Eignungsprüfung...)

3.Vermittlung eines Pflegekindes
Wenn Sie auf das Kind / den Jugendlichen vorbereitet sind und die Eignungsbestätigung erhalten haben, können wir Sie vermitteln.
Sobald das Jugendamt eine Pflegefamilie für ein Kind anfragt, überlegen wir, ob es in Ihre Familie passen könnte. Fällt das Ergebnis positiv aus, schlagen wir Sie dem Jugendamt vor.
Danach werden Details mit dem Jugendamt, mit Ihnen und der Herkunftsfamilie geklärt. Wenn allen Beteiligten eine Unterbringung des Kindes bei Ihnen passend erscheint, beginnt die Kontaktanbahnung. In dieser Zeit können sich alle jederzeit für oder gegen eine Unterbringung entscheiden. (siehe Die Vermittlung)

? Wer kann Pflegemutter, Pflegevater, Pflegeeltern werden?

  • Menschen, die über 25 Jahre alt sind
  • Ausreichendes Einkommen, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten
  • Genügend Platz zur Aufnahme eines (weiteren Kindes) in Ihrer Wohnung
  • Sie sind gesund und haben keine Vorstrafen
  • Hilfreich ist, wenn Sie mitten im Leben stehen und schon über Erfahrungen im Zusammenleben mit Kindern verfügen
  • Vielleicht haben Sie erwachsene eigene Kinder, die schon aus dem Haus sind und Sie haben jetzt Zeit und Energie, einem fremden Kind ein Zuhause auf Dauer oder auf Zeit zu geben?
  • Sie leben alleine, in einer hetero- oder homosexuellen Partnerschaft oder in einer Wohngemeinschaft, mit Kindern oder ohne.

? Welche Pflegeformen gibt es?
Es gibt verschiedene Formen von Pflege: 1. Unbefristete Vollzeitpflege, 2. Unbefristete Vollzeitpflege mit Rückkehroption zur Herkunftsfamilie, 3. Befristete Vollzeitpflege und 4. Krisenpflege (Flexible Krisenpflege oder Krisenpflege mit Pflegevertrag). Sie können vorab prüfen, welche am besten Ihren Vorstellungen und Ihrem Lebenskonzept entspricht. Es ist auch möglich, sich für ein Kind zu bewerben, das Sie schon kennen.

>>> Mehr zu den Pflegeformen

1. Unbefristete Vollzeitpflege
Unbefristete Vollzeitpflege mit dauerhafter Lebensperspektive in der Pflegefamilie: Diese Pflegeform wird vom Jugendamt und vom Familiengericht geprüft und bedeutet, dass ein Kind dauerhaft nicht bei seiner Herkunftsfamilie leben kann. 
Eine Rückkehroption besteht immer, wenn die Lebensbedingungen in der Herkunftsfamilie sich soweit verbessert haben, dass eine Rückführung wieder denkbar ist. Bei unbefristeter Vollzeitpflege mit dauerhafter Lebensperspektive ist die Rückkehroption meist sehr gering. In der Regel gibt es Vereinbarungen (sog. Auflagen) mit dem Jugendamt oder dem Familiengericht, die von der Herkunftsfamilie erfüllt sein müssen.

Die Entscheidung über diese Pflegeform wird in der Regel getroffen, wenn die Herkunftsfamilie schon andere Chancen hatte wie z.B. ein Mutter-Kind-Heim oder eine Familienhilfe und diese Chancen oft nicht nutzen konnte.
Meist kommt das Kind dann nicht direkt aus der Herkunftsfamilie zu Ihnen, sondern war zuvor in einer Krisenpflege, befristeter Vollzeitpflege, im Kinder- oder Jugendnotdienst, in einer Erziehungsstelle oder im Heim.Wenn Sie ein Kind in dieser Pflegeform aufnehmen wollen, sollten Sie in Ihrer Berufstätigkeit flexibel sein. Ein Kind unter 3 Jahren wird in der Regel in der Pflegefamilie betreut. Ein älteres Kind über 3 Jahre besucht meist einen Kindergarten oder eine Schule und Hort. Wenn Sie alleinerziehend sind, sollten Sie auf praktische Unterstützung von Freunden/-innen, Verwandten oder professionellen Babysittern zurück greifen können.
Alle Haushaltsangehörigen, insbesondere die Kinder in Ihrem Haushalt sollten mit der Aufnahme eines Pflegekindes einverstanden und sich der Veränderungen im Alltag bewusst sein. Dies intensiver zu besprechen, ist Teil der Überprüfung und Vorbereitung. Laut Ausführungsvorschriften AV Pflege sollte der Ältere von Ihnen, wenn Sie ein Paar sind, nicht älter als 63 Jahre alt sein, wenn das Kind 18 J. ist, d.h. Sie oder ggf. Ihr/e Partner/in sollte nicht älter als 45 Jahre alt sein, wenn Sie ein Baby aufnehmen möchten.
Wenn in Ihrer Familie bereits Kinder leben, muss das Pflegekind mindestens zwei Jahre jünger sein als das jüngste Kind in ihrer Familie.
Falls bereits Pflegekinder bei Ihnen leben, dürfen Sie nur zwei Pflegekinder insgesamt aufnehmen, davon nur eins mit erweitertem Förderbedarf.

2. Unbefristete Vollzeitpflege mit Rückkehroption zur Herkunftsfamilie:
In unbefristeter Vollzeitpflege besteht immer die Möglichkeit, dass das Kind zur Herkunftsfamilie zurückkehrt (in Abgrenzung zur Adoption). 
In der Regel ist spätestens nach zwei Jahren geklärt, ob das Kind wieder in seiner Herkunftsfamilie leben kann oder nicht.
In jedem Fall wird vom Jugendamt und/oder dem Familiengericht in enger Zusammenarbeit mit PiK kontinuierlich während der Unterbringung in der Pflegefamilie die Lebensperspektive für das Pflegekind geklärt. Das kindliche Zeitempfinden muss berücksichtigt werden. Lebensmittelpunkt ist ganz klar in der Pflegefamilie. Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie sind nach Möglichkeit sichergestellt. In der Hilfeplanung werden klare und transparente Ziele bezüglich der Perspektivklärung festgelegt. Die Herkunftseltern wissen, was sie tun müssen, um eine Rückkehr des Kindes in ihren Haushalt zu ermöglichen. Sollte sich die Herkunftsfamilie soweit stabilisiert haben, dass eine Rückkehr aus fachlicher Sicht sinnvoll erscheint, wird dies kleinschrittig geplant und behutsam von PiK begleitet.

3. Befristete Vollzeitpflege:
Wenn eine sichere Rückkehr zur Herkunftsfamilie besteht, wird in der Regel eine befristete Vollzeitpflege eingesetzt. 
Befristete Vollzeitpflege sollte nicht länger als maximal 6 Monate dauern, z.B. während eines Krankenhaus- oder Kuraufenthalts der Kindesmutter.

4. Krisenpflege:
Krisenpflege ist eine sehr kurzfristige Unterbringungsform für bis zu drei Monaten im Rahmen von befristeter Vollzeitpflege, meist nach einer Inobhutnahme des Kindes durch die Polizei und/oder das Jugendamt.
Krisenpflege setzt hohe Flexibilität der Pflegeeltern voraus, da die Unterbringung des Kindes innerhalb von 72 Stunden nach der Anfrage durch das Jugendamt bei PiK, meist am gleichen Tag innerhalb weniger Stunden, vonstatten geht. 
In der Zeit der Unterbringung des Kindes in Krisenpflege wird seine Perspektive geklärt: das kann eine Rückkehr zur Herkunftsfamilie sein. Dann finden häufige bis zu tägliche Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie statt oder das Kind wird nach dem Aufenthalt in der Krisenpflege in Unbefristete Vollzeitpflege oder eine Einrichtung vermittelt. In diesen Fällen begleitet die Krisenpflegestelle den Übergang des Kindes. Eine enge Unterstützung und Zusammenarbeit mit Pik ist sicher gestellt.

Wenn Sie Krisenpflege anbieten möchten, haben Sie die Wahl zwischen zwei Modellen:
4 a) Flexible Krisenpflege:
In der Überprüfung ist mit Ihnen besprochen, für welches Kind Sie geeignet sind, Krisenpflege anzubieten (Alter, Geschlecht, Geschwisterkinder u.ä.). Wenn PiK Sie anfragt für Krisenpflege haben Sie die Wahl abzulehnen, wenn Sie aus familiären, persönlichen oder beruflichen Gründen Pausen einlegen wollen. Die Bezahlung erfolgt pro Kind für die Dauer der Belegung bei Ihnen.
4 b) Krisenpflege mit Pflegevertrag über zwei Jahre:
Krisenpflege mit Pflegevertrag für zwei Jahre bedeutet, Sie sind vertraglich gebunden als Krisenpflegestelle zur Verfügung zu stehen und bekommen jeden Monat ein festes Gehalt, unabhängig davon, ob ein Kind bei Ihnen ist oder nicht. Sie stellen sicher, jedes Kind (unabhängig von Alter, Geschlecht u.a.), das angefragt wird, in Krisenpflege aufzunehmen.

 

? Was verdienen Pflegeeltern?
Pflegeeltern erhalten vom Jugendamt monatliche Leistungen zum notwendigen Unterhalt für das Pflegekind/den Pflegejugendlichen, sobald der Pflegevertrag abgeschlossen wurde. Die Bezahlung setzt sich zusammen aus einer nach Alter berechneten Pauschale für den Lebensunterhalt des Kindes oder Jugendlichen, einem monatlichen Pauschalbetrag für Beihilfen bei Vollzeitpflege sowie einem festgelegten Sockelbetrag für Vollzeitpflege für die Kosten zur Erziehung.
Siehe dazu auch Finanzielle Leistungen zur Vollzeitpflege im Überblick bei "Familien für Kinder".

? Ist Krisenpflege und unbefristete Vollzeitpflege zusammen möglich?
Nein, Sie können sich für beides überprüfen lassen, aber nur jeweils für eine Vollzeitpflegeform zur Verfügung stehen.
Wenn Sie schon ein Pflegekind haben, das mindestens seit zwei Jahren bei Ihnen lebt und mindestens 8 Jahre alt ist, können Sie auch Krisenpflege anbieten.

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