Beratung, Begleitung und Unterstützung von Pflegefamilien

Die Vermittlung ist abgeschlossen. Die Hilfekonferenz hat stattgefunden. Der Pflegevertrag ist abgeschlossen. Das Pflegekind ist bei Ihnen eingezogen. Sie sind noch dabei das Zimmer einzurichten, das Kind und seine Herkunftsfamilie besser kennen zu lernen und stellen möglicherweise Ihre gesamten Lebensgewohnheiten und Ihren Alltag auf das Pflegekind um. Das Pflegekind wiederum muss seinen Platz bei Ihnen finden und wird nach einer gewissen ruhigen Anpassungsphase meist unbewusst immer mal wieder überprüfen, ob es bei Ihnen sicher leben und bleiben kann.

Sie müssen viele neue Leute kennenlernen und mit ihnen im Interesse des Pflegekindes zusammenarbeiten. Sie wollen alles richtig und gut machen, haben viel zu erledigen und an vieles zu denken. Viele Fragen tauchen auf.
In dieser Phase setzt die Beratung, Begleitung und Unterstützung durch die zuständige Fachkraft von PiK, die Sie ja bereits aus der Überprüfung, Vorbereitung und der Vermittlung kennen, ein.  

Pflegekind, Pflegeeltern, Pflegefamilie, Familie, Pflegevater, Pflegemutter, Vollzeitpflege, Kurzzeitpflege, Krisenpflege, Herkunftsfamilie, Familienkrise, Kind aufnehmen, Pflegeverhältnis, Eltern, Kurzzeit-Pflegekind, befristete Unterbringung, familiäre Belastung, familiäre Krise,  familiäre Not, Pflegekinderdienst, Pflegeelternschule, Wie werde ich Pflegemutter?, Ehrenamt, Bezugspersonen, Pflegeelterngruppe, Jugendhilfe, Regenbogenfamilie, Alleinstehende, Paare,
Ihre Rolle als Pflegefamilie (mehr...)

Als Pflegefamilie üben Sie bei sich zu Hause im privaten Rahmen Ihrer Familie eine öffentliche Hilfe zur Erziehung (Vollzeitpflege) aus. Sie gestalten den täglichen Alltag, die Förderung, die Versorgung und die Erziehung des Pflegekindes. Sie ermöglichen dem Kind einen Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie und beantworten seine Fragen bzw. arbeiten mit ihm an seiner Geschichte (Biografiearbeit).

Rolle des Jugendamtes (mehr...)

Die/der zuständige Sozialarbeiter/-in im RSD (Regionalen Sozialpädagogischen Dienst) berät die Herkunftsfamilie, es sei denn diese Aufgabe wird an PiK abgegeben. Er/sie hat eingeschätzt, dass die Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie gewünscht ist und welche Pflegeform angefragt wird. Er/sie hat das Einverständnis der Sorgeberechtigten zur Unterbringung des Kindes in Vollzeitpflege erwirkt. Der RSD arbeitet eng mit ggf. dem Familiengericht, dem/der Vormund/in, den Herkunftseltern, ggf. anderen Beteiligten, der Pflegefamilie und PiK zusammen.
Im RSD wird die regelmäßige Hilfeplanung vorgenommen. Die zuständige Fachkraft im RSD entscheidet über die Fortschreibung oder Beendigung der Hilfe.

Zusammenarbeit mit dem Jugendamt (mehr...)

Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt bedeutet die verbindliche Teilnahme an den regelmäßigen Hilfekonferenzen und die verbindliche Umsetzung der im Hilfeplan vereinbarten Ziele und Arbeitsaufträge.

Rolle von PiK (mehr...)

Die Beratung, Begleitung und Unterstützung dient dazu, Sie darin zu unterstützen, der individuellen Entwicklung und den Bedürfnissen des Pflegekindes und Ihrer gesamten Familie gerecht zu werden, sowie die regelmäßigen Besuchskontakte zu der Herkunftsfamilie sicher zu stellen.
Die Fachkraft ist Ansprechpartner/-in für Sie zu allen Fragen rund um das Pflegeverhältnis (einschließlich Finanzielles und Rechtliches) und dem Erziehungsalltag.
Eine weitere wichtige Aufgabe der Fachkraft besteht darin zu kontrollieren, dass es dem Kind bei Ihnen gut geht bzw. dass das Kindeswohl sichergestellt ist.
Auf Wunsch und bei Bedarf hilft die Fachkraft Ihnen bei dem Verfassen der Entwicklungsberichte.
Die Fachkraft selbst schreibt einen Trägerbericht über die Arbeit mit Ihnen und dem Pflegekind.
In den Einzelgesprächen mit dem Kind oder Jugendlichen besteht die Aufgabe der Fachkraft in erster Linie darin, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen sowie Beratung und Unterstützung zu leisten zu den Fragen und Anliegen des Pflegekindes.
Die Beratung, Unterstützung und Begleitung durch PiK bedeutet auch, Sie ggf. bei der Suche nach einer geeigneten Schule oder KiTa für das Pflegekind zu unterstützen sowie eine Zusammenarbeit mit der Schule/dem Hort oder der KiTa, die das Pflegekind besucht. Hier steht die Fachkraft Ihnen zur Seite bei der Klärung wichtiger Fragen und Vereinbarungen sowie bei Konflikten mit der betreffenden Einrichtung. Dabei ist es Aufgabe der Fachkraft, bei Bedarf die Schule über die besondere Rolle aufzuklären, die Sie als Pflegeeltern haben sowie ein Verständnis für die spezielle Problematik zu erzielen, die ein Pflegekind aufgrund seiner Geschichte mit den Herkunftseltern mitbringt. Dies kann z.B. eine besondere schulische Förderung oder Zuwendung bedeuten. Die Fachkraft steht Ihnen auch zur Seite und unterstützt Sie darin, die Bedürfnisse der ggf. anderen Kinder (leibliche Kinder, Adoptivkinder, Stiefkinder und/oder eines anderen Pflegekindes) nicht aus den Augen zu verlieren und berät Sie ggf. zu Geschwisterdynamiken und den verschiedenen Rollen der Kinder in Ihrer Familie.

Pik bietet Ihnen dafür an:

  • Einzelberatung durch die zuständige Fachkraft mindestens einmal im Monat zu den im Hilfeplan festgehaltenen Zielen
  • Mindestens zwei Besuche bei Ihnen zu Hause im Jahr durch die zuständige Fachkraft
  • 4 x im Jahr persönliche Gespräche mit dem Pflegekind
  • Vor- und Nachbereitung und ggf. Begleitung von Besuchskontakten
  • Möglichkeit der Unterstützung in Krisensituationen
  • Externe Einzelsupervision nach Bedarf und Absprache
  • Teilnahme an monatlicher Gruppensupervision (externe Supervisorin)
  • Gruppenangebote und Fortbildung von PiK für Pflegeeltern und Pflegekinder
Kooperation mit Sorgeberechtigten/Vormündern (...)

Dies bedeutet, dem Vormund/Sorgeberechtigten einen Einblick in die Entwicklung und die Bedürfnisse des Pflegekindes zu geben. Der/die Vormund/in muss gefragt werden und trifft z.B. die Entscheidung bei der Auswahl der von Ihnen vorgeschlagenen Schule. Bei größeren Operationen und bei längeren Auslandsreisen benötigen Sie eine schriftliche Einwilligung des/der Vormundes/-in.

 

Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie (mehr...)

Eine respektvolle, freundliche Haltung gegenüber der Herkunftsfamilie wird im Interesse und zum Wohl Ihres Pflegekindes von Ihnen erwartet, unabhängig davon, was diese in der Vergangenheit getan oder nicht getan haben. Die Herkunftseltern haben in der Regel den Wunsch, am Alltag ihres Kindes in der Pflegefamilie teilzunehmen und möglichst viel über seine Entwicklung zu erfahren, auch wenn es für sie oftmals schmerzhaft ist, dass ihr Kind nicht mehr bei ihnen lebt. Die Reaktionen können sehr unterschiedlich sein und lösen wahrscheinlich auch bei Ihnen verschiedene Gefühle aus. Wie Sie damit umgehen können, ist bei Bedarf Thema in Beratungsgesprächen bei PiK.
Die Herkunftsfamilie kann oft auch wichtige Informationen geben und viele Ihrer Fragen bezüglich der Vergangenheit des Kindes beantworten.
Die Herkunftseltern sind ebenfalls Beteiligte an der Hilfekonferenz/Hilfeplanung.

 

Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie (mehr...)

Besuchskontakte werden immer von der Fachkraft von PiK begleitet bei:

  • Kinderschutzproblematik
  • in der Regel direkt nach Vermittlungen, solange wie nötig

Turnus und Rahmenbedingungen werden in der Hilfeplanung festgelegt und umgesetzt.

Darüber hinaus kann es für das Pflegekind, die Pflegeeltern oder die Herkunftseltern wichtig sein, dass der Besuchskontakt begleitet wird.
Ob, wie oft, wie lange, wann und wo die Herkunftsfamilie und das Pflegekind sich treffen, wird in der Regel im Hilfeplan festgelegt. Es kann sein, dass das Familiengericht die Häufigkeit der Besuchskontakte festgelegt hat oder auch eine Umgangssperre zu einzelnen Familienmitgliedern angeordnet hat. Falls nicht, werden die Wünsche der Herkunftsfamilie mit den Bedürfnissen und Wünschen des Pflegekindes diesbezüglich abgeglichen.
Es kann sein, dass Besuchskontakte zu mehreren Familienmitgliedern (z.B. auch Tante, Onkel, Oma, Opa oder leiblichen Geschwistern) sinnvoll sind oder zu anderen wichtigen Bezugspersonen des Kindes aus seiner Vergangenheit.
Es ist möglich, dass Sie die Kontakte selbstständig organisieren. Gerade am Anfang des Pflegeverhältnisses besteht die Möglichkeit, dass Besuchskontakte von der zuständigen Fachkraft bei PiK begleitet werden oder Sie nach Absprache unsere Räume nutzen können.
Bei unbefristeter Vollzeitpflege finden die Besuchskontakte in der Regel einmal im Monat statt. Es kann aber auch öfter oder seltener sein.
Bei Krisen- und Befristeter Vollzeitpflege mit Rückkehroption zur Herkunftsfamilie können Kontakte mehrmals wöchentlich bis täglich stattfinden und sind in der Regel von der Fachkraft begleitet.
Bei kleineren Kindern ist es wichtig, dass Sie bei den Kontakten anwesend sind, um dem Pflegekind Sicherheit und Rückhalt zu geben.

Die Vor- und Nachbereitung von Besuchskontakten findet in Form von Gesprächen zwischen Ihnen und der Fachkraft statt:

  • Wünsche zur Gestaltung des Besuchskontakts orientiert an den Bedürfnissen und Wünschen des Pflegekindes
  • Auswertungen und Erfahrungen des vorangegangenen Kontakts
  • Beobachtungen der Pflegeeltern und der Fachkraft im Verlauf der Kontakte werden ausgetauscht

Auch mit den Herkunftseltern bereitet die Fachkraft die Besuchskontakte vor und nach.

 

Biographiearbeit (mehr...)

Erinnerungen sind ein wichtiger Teil Ihrer und unserer Arbeit und bedeuten eine aktive Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte des Pflegekindes, bevor es zu Ihnen kam. Von PiK erhalten Sie ein Erinnerungsbuch für Ihr Pflegekind, um seine Lebensgeschichte und Stationen dort frühzeitig festzuhalten. Fragen können gestellt und beantwortet werden. Fotos und Zeichnungen können zusammengetragen werden.
Wenn das Pflegekind noch klein ist, werden Sie das Erinnerungsbuch bearbeiten. Bei größeren Pflegekindern und Jugendlichen kann das Erinnerungsbuch entweder mit Ihnen zusammen oder mit der Fachkraft von PiK gemeinsam zusammengestellt werden.