Begriffserklärungen im Bereich Pflegekinder

Pflegekinderdienste
In Berlin gibt es Pflegekinderdienste vom Jugendamt und in Freier Trägerschaft. PiK ist seit 2006 in Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln-Ost als anerkannter freier Träger der Jugendhilfe für den Bereich Pflegekinderwesen zuständig. Auftraggeber sind die Jugendämter Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln-Ost. PiK arbeitet eng mit den Jugendämtern zusammen.

Herkunftsfamilie
Die Herkunftsfamilie ist die leibliche, biologische Familie des Pflegekindes. Die Herkunftseltern behalten nach der Inpflegegabe das Sorgerecht oder Teile des Sorgerechts. Es ist auch möglich, dass das Sorgerecht oder Teile des Sorgerechts entzogen werden und vom Familiengericht auf Antrag des Jugendamts ein Vormund eingesetzt wird.
Herkunftseltern, die das Sorgerecht haben, müssen mit der Unterbringung ihres Kindes in der Pflegefamilie einverstanden sein und im Jugendamt einen Antrag auf Hilfen zur Erziehung stellen.
Herkunftseltern nehmen nach Möglichkeit aktiv teil an Vermittlung und Beratung, Begleitung und Unterstützung, auch wenn sie das Sorgerecht oder Teile des Sorgerechts nicht mehr haben.

Sorgerecht
Das Sorgerecht besteht aus drei Teilen:
1. Aufenthaltsbestimmungrecht, 2. Personensorge inklusive Gesundheitsfürsorge und HzE-Antrags-Berechtigung und 3. Vermögenssorge
Pflegeeltern üben in der Regel Teile des Personensorgerechts aus. Sie haben die Alltagssorge für das Pflegekind. Bei größeren Entscheidungen wie z.B. einer Operation (Gesundheitsfürsorge), Auswahl einer Schule oder Reisen benötigen Pflegeeltern die Zustimmung des Sorgeberechtigten, also entweder der leiblichen Eltern oder des Vormunds.

Vormund
In Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln-Ost gibt es vier Amtsvormünder/innen. Der Sitz ist im Rathaus Friedrichshain. Der Vormund/die Vormundin trägt die Verantwortung für bestimmte Teile des Sorgerechts.
Der Vormund/die Vormundin hat in der Regel Kontakt zu dem Kind und der Pflegefamilie,macht ebenfalls Hausbesuche und nimmt z.B. an Hilfekonferenzen teil. Es ist Aufgabe und Rolle des Vormunds/der Vormundin die Entwicklung und die Lebensbedingungen des Mündels gut zu kennen. Er/sie erstattet dazu regelmäßig dem Familiengericht Bericht.
Überregional in ganz Berlin gibt es zudem die Vormundschaft durch die Arbeiterwohlfahrt. Die Vormunder/-innen der Arbeiterwohlfahrt sind zusätzlich ausgebildet für die Arbeit mit Kindern, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben Sie sind vertraut mit den Kulturen der Herkunftsländer der Kinder sowie den erforderlichen rechtlichen Hintergründen z.B. Aufenthaltsrecht in Deutschland oder Antrag auf einen Paß in den Botschaften oder Konsulaten der Herkunftsländer.

Erweiterter Förderbedarf
Erweiterter Förderbedarf bedeutet, dass von den Pflegeeltern ein erhöhter Erziehungsaufwand gefordert ist. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind erweiterten Förderbedarf hat, sollte dieser im Jugendamt/RSD ausgesprochen werden. Die Kriterien für erweiterten Förderbedarf sind in der AV Pflege ?Leitfaden zur Ermittlung eines erweiterten Förderbedarfs bei Vollzeitpflege? festgehalten. Wenn Pflegeeltern den Verdacht haben, dass erweiterte Erziehungsanforderungen an sie gestellt werden, sollten sie dies zunächst mit der Fachkraft von PiK besprechen. Die zuständige Sozialarbeiterin im Jugendamt geht dieser Bitte um Prüfung des erweiterten Förderbedarfs dann nach, indem sie einen Fachdienst, in der Regel die EFB (Erziehungs- und Familienberatungsstelle) zur Prüfung des erweiterten Förderbedarfs beauftragt. Bevor der Fachdienst mit der Prüfung des erweiterten Förderbedarfs beauftragt wird, muss der Antrag der/des Personensorgeberechtigten (Vormund/in oder Herkunftseltern) dazu vorliegen. Pflegeeltern können diesen Antrag nicht stellen, sie können jedoch um Überprüfung bitten.
Der/die Psychologe/-in aus der zuständigen EFB prüft dann, ob erweiterter Förderbedarf vorliegt, führt Gespräche mit Pflegeeltern, Pflegekind und beteiligten Institutionen/Einrichtungen und reicht schriftlich eine gutachterliche Stellungnahme dazu beim Jugendamt/RSD ein. Sollte erweiterter Förderbedarf vorliegen, werden die erhöhten Erziehungsanforderungen und damit verbundenen Ziele in der Hilfeplanung festgehalten. Erweiterter Förderbedarf wird mit einer höheren Bezahlung für die Pflegeltern honoriert und in der AV Pflege festgehalten.

Hilfekonferenz

Das Jugendamt (RSD) lädt zu Hilfekonferenzen ein. Eingeladen werden die sogenannten Beteiligten an der Hilfe, das sind die Herkunftseltern, ggf. Vormünder/-innen, Sie als Pflegeeltern und die zuständige Fachkraft bei Pik. Falls sinnvoll können z.B. auch Lehrer/-innen, Erzieher/-innen oder Therapeuten/-innen an der Hilfekonferenz teilnehmen. Hilfekonferenzen finden in der Regel 4-6 Wochen vor Ablauf des Bewilligungszeitraums statt. Zum Zeitpunkt der Hilfekonferenz liegen dem Jugendamt zur inhaltlichen Vorbereitung Ihr Entwicklungsbericht und der Bericht von PiK (Trägerbericht) vor. In der Hilfekonferenz wird die Arbeit des letzten Bewilligungszeitraums ausgewertet. Die Entwicklungsschritte, die Ihr Pflegekind gemacht hat, werden besprochen. Es werden neue Arbeitsaufträge und Ziele erarbeitet und im Hilfeplan festgehalten. Die Hilfe wird fortgeschrieben oder beendet (Beendigung der Hilfe).

Hilfeplan

Der Hilfeplan wird vom Jugendamt verfasst und von allen an der Hilfe Beteiligten unterschrieben. Alle Beteiligten können ihre Ziele und Wünsche für den kommenden Bewilligungszeitraum benennen. Eine Einigung wird dann erzielt. Die im Hilfeplan festgehaltenen Ziele (Was wird im kommenden Bewilligungszeitraum mit dem oder für das Pflegekind erreicht?) und Arbeitsaufträge (Wer der Beteiligten muss was tun, um diese Ziele zu erreichen?) sind für alle Beteiligten verbindlich.

Bewilligungszeitraum
Ein Bewilligungszeitraum gibt an, wie lange die Hilfe (Vollzeitpflege) jeweils eingesetzt wird.
Der Bewilligungszeitraum kann dem Kostenübernahmebescheid entnommen werden, den Sie nach der Hilfekonferenz/Fortschreibung der Hilfe erhalten.
Bei Befristeter Vollzeitpflege/Krisenpflege dauert ein Bewilligungszeitraum maximal drei Monate. Eine Krisenpflege kann auch früher beendet werden, weil z.B. die Mutter aus dem Krankenhaus entlassen wurde oder die Herkunftseltern ihre Situation geklärt haben, so dass eine Rückführung möglich ist oder weil das Kind in eine andere Hilfeform vermittelt werden konnte. Die Kosten für Vollzeitpflege werden nur solange vom Jugendamt übernommen, wie das Kind bei Ihnen lebt.
Bei Befristeter Vollzeitpflege/Kurzpflege dauert ein Bewilligungszeitraum in der Regel maximal sechs Monate.
Bei Unbefristeter Vollzeitpflege dauert ein Bewilligungszeitraum in der Regel ein Jahr. Wenn ein Pflegekind bereits volljährig ist, ein Pflegeverhältnis laut Hilfeplanung aber weiter besteht, dauern Bewilligungszeiträume meist 6 Monate.

Entwicklungsbericht
Jeweils 4-6 Wochen vor Ablauf eines Bewilligungszeitraums müssen Sie als Grundlage für die Hilfeplanung einen Entwicklungsbericht schreiben. Dafür benutzen Sie bitte unbedingt unseren Leitfaden für Entwicklungsberichte! Die Inhalte des Entwicklungsberichts werden im Rahmen der Beratung mit der Fachkraft zuvor besprochen und ausgewertet. Wenn Sie möchten, hilft die Fachkraft Ihnen beim Verfassen des Berichts.

Trägerbericht
Jeweils 4-6 Wochen vor Ablauf eines Bewilligungszeitraums schreibt die Fachkraft ebenfalls als Grundlage für die Hilfeplanung einen Trägerbericht. Dafür gibt es eine Berichtsstruktur bei PiK. Der Trägerbericht beschreibt die Gesprächs- und Beratungsinhalte zwischen Ihnen, dem Pflegekind, ggf. anderen Beteiligten und der Fachkraft, ggf. auch den Verlauf der Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie. Die Fachkraft gibt eine Einschätzung ab, welche Entwicklungsmöglichkeiten das Kind bei Ihnen hat und welche Ziele in Zukunft bearbeitete werden sollten. Der Trägerbericht wird Ihnen vorgelegt und mit Ihnen besprochen, bevor er an das Jugendamt geschickt wird.